Sturmtief Sabine Sonntag 09.02. bis Dienstag 11.02.2020

12.02.2020

Bilanz nach dem Sturmtief

Nachstehend ein Bericht des Stadtanzeigers, die Wochenzeitung der Ortenau, Ausgabe 7 vom 12.02.2020:

Ortenau (rek). Das große Aufräumen nach dem Sturmtief „Sabine“: Mit einem blauen Auge davon gekommen, so lautet die allgemeine Einschätzung auch vom Landratsamt nach dem zwei Tage andauernden Sturm. 230 Einsätze waren zu verzeichnen, bei denen insgesamt 34 Feuerwehren zwischen Sonntagabend und Dienstagvormittag im Einsatz waren, lautet die Bilanz des Kreisbrandmeisters Bernhard Frei. Zugausfälle im regionalen und überregionalen Bahnverkehr von Deutscher Bahn und SWEG haben Pendler und Reisende vor allem am Montag teilweise vor Herausforderungen gestellt. Auch der Straßenverkehr war massiv betroffen: Zwischenzeitlich mussten die Straßenmeistereien zahlreiche Bundes-, Landes- und Kreisstraßen aufgrund umgestürzter Bäume für den Verkehr sperren.

Versicherungsfragen

Jetzt stellen sich bei den verschiedenen Schäden für die Betroffenen auch die Versicherungsfragen. „Am einfachsten ist die Regelung bei beschädigten Autos“, erklärt Michael König aus Appenweier, Bezirksvertreter des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute. Schäden durch umgestürzte Bäume, verwehte Bauzäume oder Dachziegel: „Die Kaskoversicherungen zahlen abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligungen, aber ohne Rabattrückstufung“, erklärt König. Die Gebäude- und Hausratversicherungen von Eigentümern und Mietern seien ab der Windstärke 8, also 62,1 Stundenkilometern und mehr, für Schadenersatz zuständig. Anders sei die Situation bei Regenwasser im Keller: Über die notwendige Elementarschadenversicherung würden in Deutschland nur 43 Prozent der Immobilieneigentümer verfügen. Wichtig sei, zeitnah auch Dächer auf mögliche Schäden zu inspizieren. Alle Schäden sollten in jedem Fall zügig der Versicherung gemeldet werden.

Einen Schaden zwischen 80.000 und 100.000 Euro erlitt die Gemeinde Schwanau, als der Sturm Teile des Daches des Kindergartens in Allmannsweier abdeckte. Kinder und Erzieherinnen kamen dabei mit dem Schrecken davon. Glimpflich waren auch die Folgen für den Straßenverkehr. So meldete die Polizei zwei Unfälle, bei denen Lastwagen durch Windböen Teile der Ladung sowie ganze Container verloren.

Schienenverkehr

Im Schienenverkehr kann die Deutsche Bahn den Streckenabschnitt der Schwarzwaldbahn zwischen Hausach und Villingen weiterhin nicht befahren, so eine Bahnsprecherin. Im Laufe des Dienstags seien die meisten Züge, bis auf wenige Ausfälle, wieder fahrplanmäßig verkehrt. Die Ortenau-S-Bahn der SWEG, so deren Sprecher, habe nach der Einstellung am Sonntagabend am Montagvormittag wieder sukzessive den Betrieb aufgenommen, wenn auch teilweise mit Verspätungen. Die Strecke zwischen Hausach und Freudenstadt sei bis zum Montagabend am längsten gesperrt gewesen.

Stromausfälle

Nach weiteren starken Böen in der Nacht zum Dienstag registrierte das E-Werk Mittelbaden zuletzt für den Bereich von Hornberg-Reichenbach Stromausfälle durch beschädigte Leitungen. In der Nacht zum Montag, so eine Sprecherin, seien Stromausfälle in Teilen von Sasbach, Sasbachwalden, Fischerbach, Hornberg, Oberharmersbach und Wolfach festgestellt und in den meisten Fällen „zeitnah“ wieder behoben worden.

25.000 Festmeter Sturmholz

Bäume stürzten nicht nur auf Häuser und Straßen. Für den Wald zieht Hans-Georg Pfüller, Leiter des Waldwirtschaftsamts, die Bilanz von 25.000 Festmetern Sturmholz. Vereinzelte Schadenschwerpunkte seien dabei im Forstbezirk Wolfach zu verzeichnen. Zum Vergleich: Beim Sturm „Lothar“ wurden 350.000 Festmeter zerstört. Der genaue Schaden werde aber erst in den kommenden Tagen absehbar sein.

 

10.02.2020 

Die stärkste Böe am Montag vormittag bis jetzt: 72,4 km/h um 09.15 Uhr.


Wie war die Nacht?

Guten Morgen,

ich hoffe alle sind ohne Schäden durch die unruhige Nacht gekommen. Aktuell ruht auch, Stand jetzt 07.00 Uhr, bis 08.00 Uhr der Bahnverkehr.

Die stärkste Windböe am Sonntag gab es um 22 Uhr mit 78,9 km/h. In der Zeit von 00.00 Uhr bis 06.00 Uhr wurde der Sturm, bezogen auf Kappel-Grafenhausen, leicht schwächer. Die stärkste Böe in der zweiten Nachhäflte gab es um 00.25 Uhr und um 00.55 Uhr mit 70,8 km/h.

Spitzenböen 5 Uhr bis 6 Uhr – km/h:

178 Feldberg (Gipfel)
156 Belchen
146 Hornisgrinde
139 Hohentwiel
122 Krunkelbachhütte
117 Triberg
117 Villingen
115 Schauinsland
113 Wörth
113 Freiburg (Munzingen)
113 Freiburg (Ebnet)
109 Klippeneck
107 Breitnau
107 Bad Dürrheim
104 Hinterzarten
104 Feldberger Hof
104 St. Georgen
104 Rastatt
102 Rheinstetten
100 Jestetten
100 Bad Teinach

(Quelle: Messnetz MeteoGroup)

Kommt alle gut durch den Tag!


09.02.2020

Hier ein aktueller Bericht von „Schwarzwaldwetter“ zur Sturmlage:

Wie sehr wird der Oberwind nach unten durch gemischt?

Als Oberwind bezeichnet man grob die Winde in einer Höhe von 1000 bis 1500 Metern Höhe. Daher stellt sich diese Frage in höheren Lagen des Schwarzwalds nicht: Oberhalb von 800 Metern sind in der zweiten Hälfte der kommenden Nacht und am Morgen Orkanböen wahrscheinlich. Dabei muss die Windrichtung beachtet werden: Orte, die nach Südwesten windgeschützt sind, bekommen weniger ab, Orte mit freier Flanke nach Südwest entsprechend mehr.

Doch zurück zur Frage: Wie viel kommt von diesem Wind auch unten im Tiefland an? Im Umfeld der Kaltfront, die uns am morgigen frühen Morgen passiert, kommt es zu konvektiven Umlagerungen, also kurzen starken Schauern. Während dieser Schauer wird die Luft vertikal umgewälzt, so dass der Oberwind auch im Tiefland ankommen kann.

Zwar gehen wir derzeit nicht davon aus, dass dies eins zu eins geschieht, Vorsicht sollte dennoch geboten sein.

„Auf dem Papier“ reicht es am Rhein „nur“ für Böen von 60 – 80 km/h, das wären Sturmböen der Stärke 9. Durch Vertikalimpulse kann es im Umfeld der Front aber auch einzelne Böen 10 – 11 geben, selbst ganz vereinzelte Orkanböen sind denkbar.

Das Schwere ist nun, dass man diese Vertikalimpulse nur schwer vorhersagen kann. Daher ist es richtig, darauf hinzuweisen, dass sie auftreten KÖNNEN. Falsch wäre es aber, Panik zu verbreiten und so zu tun, als ob sie sicher auftreten WERDEN.

Kurzum: Sturmböen und schwere Sturmböen sind im Tiefland zwischen 3 Uhr und 9 Uhr morgen wahrscheinlich bis sicher, Böen darüber sind möglich, keineswegs aber sicher.

Im Schwarzwald oberhalb von 900 Metern gibt es glatten Orkan, am Feldberg extremen Orkan. Das IST sicher!

Windvorhersage Europa (Quelle: DWD)

 

 

Grafiken / Vorhersagen von Meteomedia der Wetterstationen Rust und Lahr:


 

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